Ich kann diese ganzen simulierten Texte und diese Pseudo-Reflexion, die mit KI erstellt wurde, nicht mehr sehen und nicht mehr lesen. Ich erkenne inzwischen wirklich jeden Satz, jeden Beitrag, der mit KI generiert wurde, und es langweilt mich. Nicht nur ein bisschen, ich stoppe, lese nicht weiter, scrolle weg. Warum? Weil es überall gleich klingt. Alles hat diesen „Bewusstseins-Touch“, diese glattgebügelte Reflexion, diesen immer gleichen Ton.
Mich stört dabei nicht die Nutzung von KI. Im Gegenteil: KI kann inspirieren, Ideen geben, Impulse liefern. Das Problem ist etwas anderes. Viele erstellen einen Text, Copy-and-Paste und schmücken sich dann mit einem Inhalt, der offensichtlich nicht von ihnen kommt. Und man spürt das.
Ich spüre, ob hinter einem Text Erfahrung, Authentizität und echte Reflexion stehen oder ob das nur dargestellt wird, um Reichweite, Fame oder Zuspruch zu bekommen. Und noch viel tragischer: Die Sprache selbst geht verloren. Wenn schon jetzt (in dieser frühen Phase) so vieles gleich klingt, was passiert dann erst später? Eigene Worte, eigener Ausdruck, die Art, wie jemand denkt und formuliert, das ist doch der Kern von Sprache. Der Kern von dem, was man überhaupt in die Welt tragen will.
Die Vorstellung, irgendwann Bücher zu kaufen, die nicht mehr selbst geschrieben sind, sondern KI-generiert, alle im gleichen Stil, mit ähnlicher Ausdrucksweise, ist erschreckend. Natürlich kann man sich mal eine Formulierung holen, wenn einem ein Satz fehlt. Aber hier wird oft alles 1:1 übernommen. Eigene Gedanken? Fehlanzeige. Man gibt ein, was man möchte, und das war’s. Dabei sollte man mit KI arbeiten, aber nicht sich von ihr ersetzen lassen.
Viele regen sich darüber auf, wenn man „mit dem Strom schwimmt“, Mainstream ist, alle gleich sind. Aber bei KI-Inhalten scheint das plötzlich in Ordnung zu sein. Jetzt ist es okay, wie die Masse zu klingen? Keine Eigenständigkeit, kein eigenes Denken, keine Kreativität, kein Ausdruck. Wie ein Fließband, auf dem immer dieselbe Figur produziert wird, nur minimal variiert.
Ich selbst schreibe schon immer viel. Ich liebe es, Gedanken in Text zu verwandeln, mich in Worten auszudrücken. Genau deshalb übernehme ich keine KI-Texte. Ja, ich lasse mich inspirieren, recherchiere, arbeite damit, aber ich kopiere nichts. Denn mal ehrlich: Wenn ich einfach nur KI-Texte teilen würde, könnte das doch jeder selbst eingeben und bekäme einen sehr ähnlichen Text. Was macht einen Text dann noch aus?
Ich verstehe, wenn Menschen KI nutzen, weil sie sich schwer ausdrücken können oder sprachlich unsicher sind. Was ich jedoch nicht ertrage, ist, wenn jemand eigentlich schreiben könnte, sich aber mit KI-Texten schmückt, um reflektierter, erfahrener oder bewusster zu wirken, als er ist. Um etwas darzustellen, das nicht gelebt wird. Da stellen sich mir die Nackenhaare. Es ist nicht echt.
Diskrepanz. Und ich reagiere empfindlich auf Diskrepanz.
Plötzlich sind auf Social Media viele wahnsinnig reflektiert, bewusst, „möchten etwas weitergeben“. Aber sie haben es selbst nicht durchlaufen, nicht erlebt, nicht erarbeitet oder verarbeitet. Irgendwo etwas aufgeschnappt, für gut befunden, KI-Text erstellen lassen, übernommen, geteilt. Für Aufmerksamkeit, für Reichweite. Ist das wirklich der Sinn? Dass man KI nutzt, um etwas zu sein, was man nicht ist?
Ich möchte niemanden abwerten. Das ist eine Feststellung. Und wer sich angesprochen fühlt, wird wissen, warum.
Ich verurteile niemanden, der KI nutzt, weil er sich sprachlich unsicher fühlt oder einfach einen gut klingenden Text möchte, solange er sich damit nicht anders verkauft, als er ist.
KI ist nützlich, sie ist längst Teil vieler Bereiche. Aber vielleicht sollte man sich fragen: Nutze ich KI oder lasse ich mich von ihr ersetzen? Bleibe ich mir treu? Sprache ist doch Ausdruck und Ausdruck ist Identität. Wenn wir alle gleich klingen, selbst wenn der Satzbau minimal variiert, was bleibt dann noch von Individualität?